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Infektionen am Implantat: Neuer Behandlungsweg aufgezeigt

Keime sind der Hauptrisikofaktor für Implantate. Wissenschaftler verschiedener Fraunhofer-Institute wollen ihnen mit einer speziellen Beschichtung zuleibe rücken.

„Synergy-Boost“ nennen die beteiligten Forscher ihr Projekt. Synergien sollen damit vor allem zwischen Antibiotika und Silberionen geschaffen und genutzt werden. Die Wissenschaftler der Fraunhofer-Institute für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie IME, für Zelltherapie und Immunologie IZI, für Toxikologie und Experimentelle Medizin ITEM und für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM wollen damit den Kampf gegen bakterielle Infektionen in der Implantologie entscheidend voranbringen.

Nicht nur bei der Implantation künstlicher Zahnwurzeln, sondern auch bei der orthopädischer Prothesen schwebt grundsätzlich das Risiko von Keimbefall wie ein Damoklesschwert über Patienten und Behandlern. Kommt es zu einer Infektion, müssen Antibiotika eingesetzt werden, was sich mittels Tabletten oder Infusionen jedoch schwierig gestaltet. „Wenn man nicht direkt an das Implantat herankommt, lassen sich die Antibiotika kaum hoch genug dosieren, um sämtliche Keime abzutöten. Am Ende muss das Implantat dann häufig ausgetauscht werden“, erläutert der Zahnarzt und Implantologe Dr. Olaf H. Körner, der in Berlin-Wilmersdorf niedergelassen ist.

Wie aber lässt sich vermeiden, dass auch das Austauschimplantat von Erregern befallen wird? Diese Frage treibt die implantologische Forschung seit vielen Jahren um. „Synergy-Boost“ soll nun die Antwort liefern.

Silberionen potenzieren die Wirksamkeit der Antibiotika
Nach den Ideen der Fraunhofer-Forscher wird ein passendes Antibiotikum direkt auf das Ersatzimplantat aufgetragen. Dazu werden zunächst aus einer Gewebeprobe die enthaltenen Keime kultiviert, um das richtige Antibiotikum herauszufinden und Resistenzen auszuschließen. Anschließend wird das Ersatzimplantat mit einer speziell entwickelten Beschichtung überzogen und darauf das Antibiotikum aufgebracht. Erneut in den Kiefer implantiert, wird der Wirkstoff an das umliegende Gewebe abgegeben.

Und nicht nur das: Zusätzlich kann die Wirkung des Antibiotikums durch Silberionen gesteigert werden, die auch auf das Implantat aufgetragen werden. Sie bekämpfen ebenfalls Bakterien. Das Besondere aber: Antibiotikum und Silberionen verstärken sich gegenseitig, so dass nicht bloß zwei Effekte addiert werden, sondern sich gewissermaßen potenzieren. Die Keime können dadurch wesentlich wirkungsvoller beseitigt werden.

Aktuell werden an den Fraunhofer-Instituten die nötigen Schritte für eine weitere Bewertung und schließlich die Zulassung als Medizinprodukt durchgeführt. In wenigen Jahren könnte das neue Verfahren dann in der Praxis zur Verfügung stehen.