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Können harmlose Kinderkrankheiten MIH auslösen?

Die Ursache für die verbreitete Molaren-Inzisiven-Mineralisation (MIH) liegt noch immer im Dunkeln. Forscher aus Chile und Australien liefern nun einen neuen Erklärungsansatz für die Entstehung der „Kreidezähne“.

Wenn der Zahnschmelz sich zunächst verfärbt und dann zunehmend poröser und schmerzempfindlicher wird, bedeutet das für die betroffenen Kinder – und meist auch deren Eltern – eine Tortur. Die Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH), die dafür verantwortlich ist, lässt sich bisher nur symptomatisch behandeln, eine Therapie der Grunderkrankung steht nicht zur Verfügung.

„Es herrscht immer noch Unklarheit darüber, wovon MIH ausgelöst wird“, erklärt der in Berlin-Wilmersdorf praktizierende Zahnarzt Dr. Olaf H. Körner. „In verschiedenen Studien wurden Hinweise beispielsweise auf Zusammenhänge mit Dioxinen, Antibiotika oder anderen Medikamenten, Weichmachern, genetischer Disposition oder Vitamin-D-Mangel gefunden. Dieses breite Spektrum zeigt, dass noch viel Forschungsarbeit nötig ist, bis eine Therapie entwickelt werden kann.“

Interessant auch: In einigen Bundesländern tritt MIH fast doppelt so häufig auf wie in anderen. Nach einer Auswertung der Barmer sind etwa in Nordrhein-Westfalen 10,2 Prozent der 6- bis 9-Jährigen betroffen, in Hamburg dagegen nur 5,5 Prozent. Generell liegen die Quoten im Nordosten und im Westen Deutschlands am höchsten. Die Gesamtzahl der MIH-Patienten taxiert die Barmer auf rund 230.000.

Bildung von Mineralkristallen wird gehemmt
Ein Team aus chilenischen und australischen Forschern hat nun in der Zeitschrift „Frontiers of Physiology“ einen weiteren Erklärungsansatz vorgestellt. Die Wissenschaftler der University of Talca und der University of Melbourne sehen den MIH-Auslöser in Kinderkrankheiten wie Fieber, die eigentlich harmlos verlaufen. Diese führten in der Phase der Zahnbildung zu einer verstärkten Bildung des Proteins Albumin, das sich in Gewebsflüssigkeit und Blut des Zahnfleischs findet. Das Problem: Mineralkristalle, die für den Aufbau des Zahnschmelzes gebraucht werden, werden von Albumin bei Berührung gebunden – und fehlen dann zur Stärkung der Zähne. Unumstritten ist, dass die Kristalldichte in MIH-betroffenen Zähnen geringer ist als normal. Stattdessen sind mehr Proteine und Wasser enthalten.

Ob aus dieser neuen Hypothese ein Therapieansatz erwachsen kann, wird sich erst noch zeigen müssen. Den an „Kreidezähnen“ leidenden Kindern und ihren Eltern bleibt einstweilen nur, mit gründlicher Zahnpflege sowie Karies- und Abszess-Prävention die Auswirkungen zu begrenzen.