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MIH-Rätsel gelöst? Forscher vermuten BPA als Ursache

Eine zunehmende Zahl junger Menschen leidet unter sogenannten „Kreidezähnen“. US-Wissenschaftler meinen die Ursache nun identifiziert zu haben.

Plastik hat derzeit keinen besonders guten Ruf. Da die Menschheit ihren Planeten immer weiter mit Kunststoffen zumüllt, will die Europäische Union Einwegplastik verbieten. Das könnte auch aus einem zahnmedizinischen Grund ein Schritt in die richtige Richtung sein: US-Forscher haben das in Plastik weitverbreitete Bisphenol A (BPA) in Verdacht, für ein grassierendes Zahnleiden unter Kindern und Jugendlichen verantwortlich zu sein, nämlich für Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH).

Die von der Wissenschaft noch weitgehend unverstandene Erkrankung betrifft heute schon rund 30 Prozent der Zwölfjährigen in Deutschland. Zwar hat nur etwa jeder dritte MIH-Patient mit einer schwereren Ausprägung zu kämpfen, doch eine gewaltige – und wachsende – zahnmedizinische Herausforderung bilden die „Kreidezähne“ nichtsdestotrotz. MIH schwächt den Zahnschmelz, macht ihn porös und damit kariesanfälliger und schmerzempfindlicher; hinzu kommen unschöne Flecken auf den Zähnen.

Ein wenig Licht ins Dunkel haben US-Forscher gebracht, die den Zusammenhang zwischen BPA-Exposition im Kleinkindalter und der Zahnschmelzentwicklung untersucht haben. Ihre Studie liefert Hinweise darauf, dass BPA zu einer gestörten Zahnschmelzbildung führt und damit für MIH ausschlaggebend sein könnte.

Ergebnisse sind umstritten

Wie eindeutig die Studienergebnisse sind, wird in der Forschergemeinde kontrovers diskutiert. Das Bundesinstitut für Risikobewertung beispielsweise sieht keine klaren Belege für den Zusammenhang zwischen BPA und MIH. Verbraucherschützer hingegen halten den Forschungsstand für ausreichend, um auf dessen Basis ein BPA-Verbot voranzutreiben. Der Stoff steht auch anderweitig im Verdacht, die Gesundheit zu schädigen.

Entkommen kann man ihm kaum, denn er ist in Produktverpackungen weitverbreitet, selbst viele Kassenbons sind damit überzogen. Auch in Trinkflaschen oder Butterbrotdosen findet sich häufig BPA, in Plastikgeschirr ebenso.

„Ob BPA tatsächlich eine oder sogar die Hauptursache von MIH ist, werden weitere Forschungen noch zweifelsfrei belegen müssen“, kommentiert der Berlin-Wilmersdorf praktizierende Zahnarzt Dr. Olaf H. Körner, der regelmäßig MIH-Patienten behandelt. „Jedenfalls ist es höchste Zeit, dem Leiden etwas entgegenzusetzen, denn die Betroffenen und ihre Eltern tragen oft schwer daran.“