Dentist speaks English.Dentist speaks English. El dentista habla castellano.El dentista habla castellano.

Sollten Schwangere Fluorid meiden?

Kanadische Forscher fanden heraus, dass der IQ von Kindern geringer ausfällt, wenn ihre Mütter in der Schwangerschaft viel Fluorid zu sich nahmen. Was das für werdende Mütter bedeutet

Die Nachricht sorgte für Verunsicherung: Eine Studie der York-Universität in Toronto kam kürzlich zu dem Schluss, dass eine erhöhte Fluoridaufnahme während der Schwangerschaft der Intelligenz der Babys schaden kann. Genauer: Ein Milligramm mehr Fluorid pro Tag, abgeleitet von der Trinkwasserfluoridierung, führt zu einer IQ-Abnahme um 3,66 Punkte. Setzt man den IQ in Beziehung zur Fluoridkonzentration im Urin der Mütter in der Schwangerschaft, ergibt sich für Mädchen kein Unterschied, für Jungen jedoch ein um 4,49 Punkte verringerter Wert bei einer um ein Milligramm pro Liter erhöhten Konzentration.

Seit Bekanntwerden dieser Forschungsergebnisse steht die Frage im Raum, ob Schwangere von fluoridhaltigen Produkten – in Deutschland geht es im Wesentlichen um Speisesalz und Zahncreme – die Finger lassen sollten. Schließlich möchte niemand seinem Nachwuchs auf Kosten der Intelligenz und damit der allgemeinen Lebenschancen zu einem härteren Zahnschmelz verhelfen.

Für mitteleuropäische Schwangere indes besteht kein Anlass zur Besorgnis. „Im Durchschnitt nehmen die Menschen hierzulande eine unkritische Menge von Fluorid zu sich. Sie entspricht in etwa der, die in der kanadischen Studie für die Gruppe mit der geringsten Fluoridaufnahme angenommen wurde. Eine Schädigung der Intelligenz ist dabei nicht zu befürchten“, erläutert der in Berlin-Wilmersdorf praktizierende Zahnarzt Dr. Olaf H. Körner. Auch die Informationsstelle für Kariesprophylaxe (IfK) gibt Entwarnung, nicht zuletzt wegen methodischer Mängel der kanadischen Forschungsarbeit.

Im Schnitt nur 0,1 Milligramm Fluorid pro Tag durch Speisesalz
Kritisiert wird etwa, dass die Fluoridaufnahme der kanadischen Schwangeren ungenau erhoben worden sei. Zum einen zogen die Forscher Urinproben heran, die in jedem Schwangerschaftstrimester analysiert wurden – allerdings schwankungsanfällige Spot-Urinproben, nicht wesentlich zuverlässigere 24-Stunden-Urinproben. Zum anderen wurde die systemische Fluoridaufnahme auf Basis der Postleitzahlen geschätzt, da das Trinkwasser in vielen Gegenden Kanadas fluoridiert wird. Auch das kann am tatsächlichen Konsum vorbeigehen.

Diese methodischen Schwächen müssen allerdings gar nicht in Rechnung gestellt werden, um schwangeren Frauen in Deutschland ihre Ängste vor Fluorid zu nehmen. Denn die durchschnittliche Fluoridaufnahme ist hierzulande vergleichsweise gering. Schätzungen gehen von 0,24 Milligramm pro Tag aus, die mit dem Trinkwasser aufgenommen werden (das auch ohne Extra-Fluoridierung den Stoff enthält), sowie von 0,1 Milligramm durch fluoridiertes Speisesalz. Zum Vergleich: In der kanadischen Studie nahm die Schwangerengruppe mit dem geringsten Konsum 0,3 Milligramm pro Tag auf, die mit dem höchsten (deren Kinder einen statistisch geringeren IQ aufwiesen) dagegen 0,93 Milligramm. Von diesem bedenklichen Wert sind Frauen in Deutschland im Allgemeinen weit entfernt – auch wenn sie fluoridiertes Speisesalz und fluoridierte Zahnpasta verwenden.