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Verschreiben Zahnärzte zu häufig Antibiotika?

Rund 10 Prozent der in Deutschland eingenommenen Antibiotika werden von Zahnärzten verordnet, beim Reserveantibiotikum Clindamycin sind es sogar 60 Prozent. Warum das problematisch ist.

Antibiotika haben Abermillionen von Menschenleben gerettet und werden diese segensreiche Wirkung sicherlich auch in Zukunft zeigen. Doch das einstmals scharfe Schwert im Kampf gegen Infektionskrankheiten wird zunehmend stumpfer. Denn es bilden sich vermehrt Antibiotikaresistenzen, das heißt, die Widerstandsfähigkeit der Bakterien wächst. Immer mehr Bakterienstämme sprechen auf die Behandlung mit gängigen Antibiotika nicht mehr an. Sogar erste „Supererreger“ haben sich herausgebildet, gegen die alle bekannten Antibiotika wirkungslos sind.

„Um diese negative Entwicklung nicht zu befördern, sollten Antibiotika nur sehr restriktiv verschrieben werden. Das gilt auch und gerade in der Zahnmedizin“, erklärt der Zahnarzt Dr. Olaf H. Körner, der in Berlin-Wilmersdorf praktiziert. „Mit einer freizügigen Verordnungspraxis tut man den Patienten langfristig keinen Gefallen, im Gegenteil.“

Darauf wies auch die Apothekerin Dr. Constanze Schäfer kürzlich bei einem dentalmedizinischen Kongress hin. Den Umstand, dass jedes zehnte Antibiotikum und sogar 60 Prozent des Reserveantibiotikums Clindamycin von Zahnärzten verschrieben werden, bezeichnet sie als problematisch.

Penicillinallergie sollte geprüft werden

In vielen Fällen gehen die Verordnungen des Reserveantibiotikums auf eine angenommene Penicillinallergie zurück, die im Anamnesebogen angegeben wurde. Hierbei liegen aber oftmals Fehlschlüsse vor, da vermeintliche Allergiesymptome auch von der antibiotisch bekämpften Erkrankung herrühren können. Es ist daher ratsam, eine solche Allergie ärztlich diagnostizieren zu lassen, um bei einer weiteren Antibiotika-Verordnung nicht unnötig zu eskalieren. Ein solcher Allergietest macht wenig Umstände und bringt wichtige Erkenntnisse.

Daneben sollte ein Antibiotikum nicht länger als nötig eingenommen werden. „Eine pro Präparat geltende Einnahmedauer ist nicht sinnvoll – stattdessen reicht es, das Antibiotikum noch 48 Stunden nach dem Abklingen der Symptome anzuwenden, danach stiftet es keinen medizinischen Nutzen mehr“, betont Zahnarzt Dr. Körner.