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Warum die Qualität von Implantatsystemen wichtig ist

Über 200 Implantatsysteme gibt es am deutschen Markt. Die Zulassungshürden sind niedrig – und die falsche Wahl kann unangenehme Folgen haben.

Mitte der Nullerjahre wurde schwedischen Implantologen ein neues Implantatsystem mit geschicktem Marketing angedient. Angepriesen wurde vor allem, dass der Umgang damit gegenüber anderen Produkten besonders einfach sei. Auch Einsteigern in dieses zahnmedizinische Fachgebiet sollten Implantationen dadurch leichtfallen. Es dauerte rund zwei Jahre, bis sich viele Einzelhinweise zu einem besorgniserregenden Fazit verdichteten: Das System war nicht ausgereift, offenbar hatte es keine ausreichenden Tests gegeben. Im Praxiseinsatz mussten die Implantate bei weit überdurchschnittlich vielen Patienten wieder ausgetauscht werden, bei rund einem Viertel wurde signifikanter Knochenabbau verzeichnet. 60.000 Menschen waren betroffen.

Der Fall wurde publik, andere werden unter dem Radar der Öffentlichkeit abgewickelt. Geändert hat sich an den laxen Zulassungsvoraussetzungen wenig, in Schweden wie in Deutschland.

„Zahnimplantate werden der Medizinprodukte-Risikoklasse IIb zugeordnet. Das bedeutet, dass eine CE-Kennzeichnung ausreicht, um sie in Verkehr zu bringen – eine wissenschaftlich saubere Überprüfung auf Nutzen und Risiken ist dafür keine Voraussetzung“, erläutert der in Berlin-Wilmersdorf ansässige Zahnarzt Dr. Olaf H. Körner. „Aufgrund des Äquivalenzprinzips gilt ein Produkt als zertifizierungswürdig, wenn ein ähnliches bereits am Menschen getestet und zugelassen wurde.“

Drum prüfe, wer sich lange bindet

Erfahrene Implantologen wie Dr. Körner legen daher großen Wert darauf, dass von ihnen verwendete Implantate nachgewiesenermaßen ihren Zweck erfüllen und sich im Praxiseinsatz bewährt haben. „Ein sorgfältiger Implantologe ist gegenüber ‚brandneuen‘ und ebenso gegenüber sehr preiswerten Produkten prinzipiell zurückhaltend“, so Dr. Körner.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Implantologie (DGI) warnt ihre Mitglieder – und alle anderen Implantologen – vor unzureichend getesteten Implantatsystemen. Auf ihrem letzten Jahreskongress gab sie die Empfehlung, nur auf Implantate zu setzen, „die wissenschaftlich dokumentiert und deren Langzeiterfolg in klinischen Studien nachgewiesen wurde“.

Patienten, die mit einem Zahnimplantat liebäugeln, sollten ihre Behandler also mit Bedacht auswählen, denn nur diese können eine fundierte Entscheidung für ein Implantatsystem treffen. Eine auffällig günstiger Preis ist in der Regel kein gutes Zeichen – er könnte mit minderwertigen Produkten erkauft sein.