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Warum „künstlicher“ Kieferknochen kein Nachteil für Implantate ist

Wenn Knochen augmentiert oder transplantiert wurde, um ein Implantat darin zu verankern, hält dieses statistisch länger als in natürlichem Knochengewebe.

Knochengewebe, das nicht mehr beansprucht wird, bildet sich mit der Zeit zurück. Das gilt auch für den Kieferknochen, wenn er keinen Zahn mehr tragen muss. Neben dieser „Beschäftigungslosigkeit“ kann auch eine Parodontitis dafür sorgen, dass der Knochen gleichsam schrumpft. In diesen Fällen kann es eine heikle Aufgabe darstellen, ein Implantat zu verankern.

„Für dauerhafte Stabilität empfiehlt es sich bei mangelnder Knochensubstanz, zunächst eine Augmentation, also einen Knochenaufbau, vorzunehmen. Dabei wird in der Regel körpereigenes Knochengewebe – meist direkt aus der Mundhöhle – entnommen und dort, wo es fehlt, angelagert“, erläutert der erfahrene Implantologe und Zahnarzt Dr. Olaf B. Körner, der in Berlin-Wilmersdorf praktiziert. „Alternativ lassen sich auch Knochenersatzmaterialien verwenden.“

Zudem gibt es mit der Knochendehnung ein neues Verfahren, das mittels eines kleinen, Distraktor genannten Geräts im Knochen Hohlräume schafft, die dann mit natürlichem Gewebe zuwachsen. In seltenen Fällen kann auch ein Plattenepithelkarzinom (Kopf-Hals-Tumoren) die Entfernung von Teilen des Kieferknochens und ihre anschließende Rekonstruktion mit transplantiertem Material erforderlich machen.

Immer wieder stellen Patienten die Frage, ob denn der augmentierte oder transplantierte Knochen überhaupt dauerhaft tragfähig ist. Eine neue Beobachtungsstudie belegt nun: Im Durchschnitt ist bei augmentierten Knochenabschnitten ein geringeres Implantatverlustrisiko zu verzeichnen als bei natürlichem Gewebe.

Gut jedes 20. Implantat geht mit Komplikationen einher
Für die Studie wurden über 26.000 Implantatbehandlungen aus der Zeit von 2001 bis 2017 ausgewertet. 5,4 Prozent davon schlugen fehl. Wie sich zeigte, liegt die Verlustrate bei Implantaten in augmentierten Knochen deutlich unter diesem Gesamtdurchschnitt, nämlich bei 3,6 Prozent. Damit ist belegt, dass eine Augmentation keineswegs „minderwertiges“ Knochengewebe hervorbringt.

Stellt man den Wandel der Implantattypen in Rechnung, liegt die tatsächliche Verlustrate noch einmal deutlich darunter. In früheren Jahren wurden nämlich gerne sogenannte Zylinderimplantate gesetzt, die heute eine Seltenheit darstellen. Aus gutem Grund: Ihre Verlustrate belief sich in der Studie auf 14,2 Prozent, während es bei den heute gängigen Typen nur 3,2 Prozent waren.

Das Implantatverlustrisiko hängt aber auch von individuellen Faktoren ab. So ist es etwa bei Diabetikern und Rauchern statistisch erhöht. Zudem hat die Mundhygiene wesentlichen Einfluss, denn entzündliche Erkrankungen wie Periimplantitis sind die Hauptgefahr für Implantate – ob in natürlichem oder in augmentiertem Knochengewebe.