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Warum Raucher häufiger Wurzelkanalbehandlungen brauchen

Lange war unklar, wie genau die Zahnpulpa von Rauchern geschädigt wird. US-Forscher haben nun einen Effekt auf das Zahnpulpa-Abwehrsystem nachgewiesen.

Dass Rauchen den Zähnen ebenso wenig guttut wie dem Herz-Gefäß-System oder der Lunge (eigentlich: dem gesamten Organismus), ist schon länger bekannt. Auffällig ist zum Beispiel, dass bei Rauchern ungefähr doppelt so häufig Wurzelkanalbehandlungen vorgenommen werden müssen wie bei Nichtrauchern. Warum genau das so ist, konnte die Forschung bisher nur erahnen.

Wissenschaftler der School of Dental Medicine der Case Western Reserve University im US-amerikanischen Cleveland haben nun für Klarheit gesorgt. Im Rahmen einer Studie untersuchten sie die Zahnpulpa von 32 Rauchern und 37 Nichtrauchern. Dabei stellten sie bei den Rauchern Schäden am Zahnpulpa-Abwehrsystem fest. Dieses wies deutlich weniger Proteine vom Typ hBD-2 und Zytokine vom Typ TNF-α auf als üblich. Während das Letztere die Immunzellen-Regulierung unterstützt, wirkt hBD-2 antimikrobiell.

Einen kleinen Lichtblick immerhin bietet die Studie für Raucher auch: Offensichtlich ist das Zahnpulpa-Abwehrsystem regenerationsfähig. Das heißt, wer mit dem Rauchen aufhört, darf mittel- bis langfristig auf eine Gesundung der Zahnpulpa hoffen.

Auch parodontale Erkrankungen treten häufiger auf
„Erneut unterstreicht eine Studie, wie schädlich das Rauchen für die Zahngesundheit ist. Aber nicht nur die Zahnpulpa wird geschwächt, auch das Parodontitis-Risiko steigt deutlich. In Deutschland geht rund jede zehnte Parodontitis-Erkrankung auf das Rauchen zurück“, verweist der in Berlin-Wilmersdorf praktizierende Zahnarzt Dr. Olaf H. Körner auf eine weitere zahnmedizinische Folgeproblematik des Rauchens.  

Laut einer Studie der Berliner Charité sowie der Universitäten Halle-Wittenberg und Kiel ist das Rauchen für rund 40 Millionen Fälle schwerer Parodontitis weltweit verantwortlich. Vor allem Männer in den mittleren Jahren sind betroffen. Der Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, appelliert an alle Raucher: „Parodontitis ist eine Volkskrankheit, jeder zweite Erwachsene ist davon betroffen. Zigaretten und andere Tabakprodukte erhöhen das Risiko einer Erkrankung stark. Das Rauchen aufzugeben – oder noch besser: gar nicht erst anzufangen – beugt aber nicht nur Parodontitis vor, sondern schützt auch vor vielen anderen Erkrankungen wie (Mund-)Krebs, Herzinfarkt oder Schlaganfall. Tabakkonsum ist global eine der häufigsten vermeidbaren Ursachen für Krankheiten.“